„Same procedure as every year…“

Tag 15 im Augustahospital in Anholt. Ich bin hier in der sogenannte Parkinson-Komplextherapie. Diese Therapie ist kein einzelnes Verfahren, sondern ein intensives, ganzheitliches Behandlungskonzept, das speziell für Menschen mit Parkinson entwickelt wurde. Das Besondere daran ist, dass viele verschiedene Fachrichtungen eng zusammenarbeiten und die Behandlung individuell auf mich abgestimmt wird.
Zunächst wird hier alles sehr genau analysiert: die physische und psychische Verfassung, meine Beweglichkeit, mein Gangbild, meine Feinmotorik, die Muskelspannung, aber auch Dinge wie Gleichgewicht, Ausdauer und sogar meine Stimme. Es beginnt mit großem Blutbild, EKG, ständiger Blutdruck- und Blutzucker-Kontrolle. Ergänzend können diverse Funktionstests durchgeführt werden: Nervenleitgeschwindigkeit, kognitive Leistungsfähigkeit, Langzeit-EKG und -Blutdruck, EEG, je nach Bedarf. Die Ärztinnen und Ärzte überprüfen außerdem regelmäßig meine Medikamente und passen sie – wenn nötig – sorgfältig an. Gerade bei Parkinson ist die richtige Dosierung und der richtige Einnahmezeitpunkt ja entscheidend. Und hier ist auch der Grund für den stationären Aufenthalt – man kann bei auftretenden Problemen sofort reagieren.
Ein großer Bestandteil der Therapie ist die Physiotherapie. In der Gruppen-Krankengymnastik üben wir größere, bewusst ausgeführte Bewegungen, um der typischen Verkleinerung der Bewegungen entgegenzuwirken. Auch Gleichgewichtsübungen gehören dazu, damit ich sicherer werde. Hier unterstützt ein Multifunktions-Laufband (Motek C-Mill) mit großem Monitor, bei dem man vor sich z.B. den zu gehenden Weg sieht, oder zu lösende Aufgaben in Form verschiedener Videospiele. Zusätzlich können Spuren auf das Laufband projiziert werden, denen man folgen soll (https://www.youtube.com/watch?v=6mqTKnplzd4). Auch ein gezieltes Gerätetraining und Wassergymnastik gehören dazu. Es ist manchmal anstrengend, aber ich spüre, dass es mir gut tut.
Dazu kommt die Ergotherapie. Hier trainiere ich alltägliche Handgriffe – Dinge, die im Alltag selbstverständlich erscheinen, aber durch Parkinson schwieriger werden können. Knöpfe schließen, Schreiben, gezielte Handbewegungen – all das wird Schritt für Schritt geübt, manchmal in der Gruppe, manchmal in der Einzeltherapie. Ziel ist, meine Selbstständigkeit so lange und so gut wie möglich zu erhalten. Und ich merke: Mit Übung und den richtigen Techniken geht vieles leichter.
Auch Logopädie ist Teil der Komplextherapie. Dabei geht es um Stimme, Sprechdeutlichkeit und Atmung. Parkinson kann die Stimme leiser und monotoner machen. Durch gezielte Übungen lerne ich, kräftiger und bewusster zu sprechen. Das ist nicht nur für Gespräche wichtig, sondern auch für mein eigenes Selbstgefühl.
Was mir besonders gefällt, ist der ganzheitliche Ansatz. Es wird nicht nur auf die Symptome geschaut, sondern auf mich als ganzen Menschen. Bewegung, Medikamente, Schulungen, Gespräche – alles greift ineinander. Ich bekomme viele praktische Tipps für zuhause, damit ich nach der Entlassung weiter daran anknüpfen kann.
Hervorzuheben ist die Kommunikation zwischen allen Beteiligten – Ärzten, Diagnostik, Pflege, Therapeuten der verschiedenen Disziplinen und mir.

Natürlich gibt es auch anstrengende Momente. Mehrere Therapieeinheiten am Tag fordern Kraft. Aber: Ich spüre bereits Fortschritte. Meine Bewegungen fühlen sich etwas flüssiger an, ich bin insgesamt stabiler, und ich habe das Gefühl, wieder aktiver Einfluss nehmen zu können (leider nicht auf den ansonsten guten, abwechslungsreichen Speiseplan, denn in diesem Jahr gab es keinen Grünkohl).
Leider kommt Tischtennis noch viel zu kurz, aber daran arbeiten wir. Immerhin waren in einer Woche vier Buschhausener Parkies gleichzeitig hier.
Wir sehen uns bald wieder, in der Halle, an der Platte!
„I’ll do my very best!“
Klaus Helmig, im März 2026, unter zu Hilfenahme von ChatGPT
Die Webseiten des Augustahospitals:
https://www.augustahospital.de/
https://www.augustahospital.de/leistungen/klinik/morbus-parkinson